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TRACE METALS. Acht Namen, eine Stimme
von Florian Jäger

„TRACE METALS“ in der galerie burster: Blick durch den Wanddurchgang, vorn der Betonblock. Foto: Florian Jäger, 13. September 2026
Vor der Wand steht ein Betonblock, als wäre er aus einer Fassade gebrochen und hier abgestellt worden: keilförmig, etwa hüfthoch, ohne Sockel, mit mintgrünen und rosa Farbresten, abgeplatzten Kanten und einem eingebetteten rostigen Metallfragment. Er wirkt wie das schwerste Stück in „TRACE METALS“, der Gruppenausstellung in der galerie burster, und fasst gut zusammen, worum es in ihr geht. Sie handelt von Oberflächen, die sich abgelöst haben.
Die galerie burster sitzt im selben Haus wie die Taiga Gallery, Markgrafenstraße 68, und zeigt die Ausstellung seit dem 10. September. Der Raum ist weiß, der Boden geschliffener Beton, ein schmaler Wanddurchgang führt in einen zweiten Raum, an dessen Decke zwei Leuchtstoffröhren in einer Linie montiert sind. Die Hängung nutzt diese Achse. Eine raumbreite Flacharbeit, zwei kleine Wandobjekte im Durchblick und der Block am Boden liegen hintereinander, man sieht also drei Materialien auf einmal, bevor man sich eines davon genauer ansieht.
Links hängt eine quadratische Assemblage von gut anderthalb Metern Seitenlänge: weißes Lochblech über bemalten Platten, Felder in Rosa, Moosgrün und Creme, dünne blaue und mintfarbene Striche, eine diagonale Schnittkante. Das Lochblech liegt wie ein Gitter über der Farbe, man sieht die Malerei teils nur durch eine Industrieoberfläche hindurch. Rechts zieht sich eine mehrteilige Wandarbeit über acht Platten in zwei Reihen. Der Grundton ist Beige, darin hellblaue Ziegelraster, Schablonen- und Sprühspuren, Zaunmotive und dünn gezeichnete Umrisse von Gefäßen und Figuren, dazwischen silbrig glänzende Folie. Sie liest sich wie eine Wand, von der mehrere Plakatschichten gerissen wurden, bis Mauerwerk und alte Kritzeleien wieder durchscheinen.
In der Raumecke stehen zwei Materialgruppen gegeneinander, und beide glänzen auf ihre Art, die eine mit Lack, die andere mit Glasur. Auf der einen Seite Tafeln mit tiefschwarzem, lackartig glänzendem Grund, darüber ein Netz aus weißgrauen, wulstig aufgetragenen Linien, die wie Risse oder Schweißnähte laufen. Die Kanten sind mit zerknitterter Metallfolie überzogen, die das Licht streifig zurückwirft. Auf der anderen Seite zwei astförmig verzweigte Wandobjekte, eines gelb glasiert mit dunkler Sprenkelung und glänzender Glasurhaut, eines matt und graubraun. Beschädigt wirkt beides, nur auf andere Weise. Die Tafeln zeigen den Riss in der Fläche, die Objekte sehen aus wie ein abgebrochener Ast.
Zusammen ergibt das eine Palette, die man aus der Stadt kennt: verwittertes Creme, Mintgrün, Rosa, Rostbraun, Ziegelblau, dazu harte Schwarz-Silber-Kontraste. Hinzu kommt ein gemeinsames Verfahren. Die Arbeiten, die ich gesehen habe, formen ab, schichten um, reißen ab und tragen wieder auf. Selbst die gezeichneten Gefäße auf der Plattenwand wirken eher wie Kritzeleien auf einer Hauswand als wie Darstellung. Der Titel spricht von Spurenmetallen. Das passt, denn die Werke gehen mit ihrem Rohstoff um wie mit dem Rückstand von etwas, das schon einmal Fassade, Plakatwand oder Bauteil war.
Laut Einladungskarte sind Clemens Behr, Marc Bijl, Bram Braam, Stephen Burke, Cosimo Casoni, Julia Eichler, Tabata von der Locht und Rutger de Vries beteiligt. Kuratiert haben Bram Braam und Stephen Burke, zwei der acht. Die Karte bildet Bram Braams „Urban Modernism IV“ ab, 2025, Beton, Ölstift, Poster, Sprühfarbe und Acryl, 81 × 54 × 3 cm.
Diese Ausstellung lebt vom Material. Palette und Verfahren sind so einheitlich, dass die Räume geschlossen wirken, und die Achse durch den Wanddurchgang ist klug gebaut. Gerade diese Geschlossenheit ist aber auch der Einwand. Im Raum rücken die Beiträge so eng zusammen, dass man kaum sagen kann, wo ein Beitrag endet und der nächste beginnt. Nur in der Ecke mit Lack und Glasur treten Unterschiede offen hervor. Zu einer Ausstellung über Rückstände ohne Absender passt das. Einer Gruppenausstellung schadet es, weil im Raum aus acht Namen keine acht Stimmen werden.
„TRACE METALS“. galerie burster, Markgrafenstraße 68, Donnerstag und Freitag 12 bis 18 Uhr, Samstag 12 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung, bis 24. Oktober.
Aufnahmen: Florian Jäger, 13. September 2026.
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