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Christian Achenbach. Der Putz spielt mit
von Florian Jäger

Christian Achenbach, „ECHOTROPIA“, Ausstellungsansicht in der Nave von St. Agnes, König Galerie, an der Stirnwand das breite Querformat mit pinkem Himmel. Foto: Florian Jäger, 12. September 2026
Ein pinker Himmel steht über einem gestaffelten Gebirge, davor eine grüne Ebene, ein Baum in der Mitte, ein rot belaubter am rechten Rand. Bergflanken, Äste und Wiesenfalten sind einzeln umrandet, sodass die Fläche flimmert. Das breite Querformat hängt allein an der Stirnwand eines sehr hohen Saals in St. Agnes in Kreuzberg. Eine Person steht davor, eine zweite geht weiter vorn an der linken Wand entlang, und erst die beiden geben dem Raum seinen Maßstab. Mit nur einem Bild wirkt die Wand ruhig, und leer sieht sie trotzdem nicht aus. Das Erste, was auffällt, ist der Saal, und das ist hier als Lob gemeint, denn er macht die Bilder stärker.
Der Saal ist die Nave von St. Agnes, das frühere Kirchenschiff, und die König Galerie zeigt hier seit dem 9. September Christian Achenbach mit „ECHOTROPIA“. Im Vault desselben Hauses hängt zur gleichen Zeit Rebecca Brodskis. Die Wände sind mit grob geworfenem Putz in Sandfarbe überzogen, der das Licht stumpf zurückgibt. Oben läuft ein durchgehendes Lichtband um eine abgehängte Holzlattendecke mit aufgesetzten Strahlern. Der Boden ist geschliffener Estrich mit einer eingelassenen Bodenklappe.
An den Längswänden hängen weitere Bilder in gleicher Machart, große und kleine. Auf einem großen Querformat zieht sich ein Fluss unter gelbem Himmel in Schleifen zwischen Hügeln hindurch, die wie Höhenlinien aufgebaut sind. Die Windungen sind so regelmäßig, dass der Fluss eher wie eine Rennbahn aussieht als wie Wasser. An der Wand daneben steht ein Baum in gelber Blüte vor Nachtblau, neben ihm eine blasse Mondscheibe, und anderswo geht eine Wolkensäule als Strahlenbündel nach unten. Die Natur auf diesen Bildern ist aus Bändern, Ringen und Umrissen gebaut, beobachtet wirkt sie kaum.
Dazwischen hängen mindestens vier Interieurs, und sie sind die besten Bilder im Saal. Das größte, ein Hochformat an der linken Wand, hat einen Fensterblick, gelbe Rahmung und Rautenboden. Ein weiteres an der rechten Wand zeigt einen gelben Vorhang, Berge, ein gelbes Gefäß und Schachbrettboden. Auf dem ersten der beiden kleineren an der linken Wand steht eine blaue, gerippte Vase mit roten Blüten auf einem Boden in Rautenmuster, zwei rote Früchte daneben, und hinter ihr laufen dieselben Schleifenbänder wie im Flussbild, als wäre die Landschaft als Muster ins Zimmer gekommen. Auf dem anderen öffnet ein roter Vorhang den Blick durch ein Fenster auf Bäume. Auf einem runden blauen Tisch stehen eine Vase mit weißen Blüten und eine Orange, eine zweite liegt draußen auf dem gestreiften Boden. Hier stößt das Verfahren auf Widerstand, denn Vase und Orange bleiben Dinge, während um sie herum alles zu Muster wird.
Nicht das Motiv hält die Bilder zusammen, sondern das Verfahren. Landschaft und Wohnzimmer werden gleich behandelt, beide in Linien zerlegt und wieder zusammengesetzt, beide ohne Tiefenluft. Der grobe Putz spielt dabei mit. Er schluckt die Reflexe, sodass die Bilder mit ihren Farben allein gegen eine matte Wand stehen, und jedes Format wirkt größer, als es ist. Der Einwand liegt im selben Verfahren. Weil jede Linie gleich wichtig ist, findet das Auge auf den großen Landschaften kaum eine Stelle zum Ausruhen.
Als Ganzes ist das eine Ausstellung, die man empfehlen kann, und ein guter Teil des Verdienstes gehört dem Raum mit seinem Putz und seiner Höhe. Vor den großen Landschaften ermüdet man. Die Interieurs halten stand, weil in ihnen etwas übrig bleibt, das sich nicht in Linien zerlegen lässt, eine Vase und zwei Orangen.
Christian Achenbach: „ECHOTROPIA“. König Galerie, St. Agnes, Alexandrinenstraße 118 bis 121, Kreuzberg, bis 8. November.
Aufnahmen: Florian Jäger, 12. September 2026.
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