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IFA 2026. Nur die vertrauten Geräte zeigen ihr Inneres
von Florian Jäger

Fußballroboter beim RoboCup in der Messe Berlin, an der Bande Kinder und Erwachsene. Foto: Dominik Tryba, Introduce Productions, für IFA Berlin
In einer Halle der IFA steht eine weiße, geschwungene Wand, gebaut wie ein Amphitheater, und auf den Rängen sitzen Geräte. Unten stehen Waschmaschinen und Luftreiniger hinter Absperrpfosten, darüber Backöfen, Klimageräte, Kaffeemaschinen, Saugroboter und Lautsprecher. Mittendrin steht in Leuchtbuchstaben THE SURGING WAVE OF AI. Ohne es zu wollen, fasst die Wand damit die Messe zusammen, denn wenn KI auf allem steht, unterscheidet das Wort nichts mehr. Die IFA 2026 zeigt ihre Roboter als Kunststück und als Haustier. Was tatsächlich arbeitet, steht am Rand, und für die eigentliche Verschiebung gibt es keinen Stand.
Der 7. September, ein Montag, ist der vierte von fünf Messetagen. Am Eingang steht MESSE BERLIN in Großbuchstaben auf dem Rundbau, darüber hängen Haier, Midea und Xiaomi, daneben das Motto der Messe: Innovation for all. Auf dem Presseausweis steht unter dem Namen die Adresse dieser Website, daneben PRESS. Drinnen sind die Hallen durchnummeriert wie Rechenaufgaben: 3² Communication & Connectivity, 5² mit der iZone und der Dream Stage für den Innovation Award, 6² Computing & Gaming mit einer Indie Game Area, in der Leute an Klapptischen ihre eigenen Spiele zeigen. Zwischen den Hallen fahren vier Shuttlelinien.
Bei den Etiketten ist es mit der Ordnung allerdings vorbei, KI steht an den verschiedensten Dingen. An einem Stand liegen Brillen auf beleuchteten Ringständern, an der Wand dahinter AI Agent und AI Cueing. Bei XbotGo heißt es AI Sports Tracking, gemeint ist eine Kamera, die einem Fußball folgt. Bei Siemens dosiert ein System namens i-Dos das Waschmittel. Ob Brille, Kamera oder Waschmitteldosierung, am Etikett erkennt man, wie ein Gerät verkauft wird. Was es kann, erfährt man daraus nicht.
Die Menschentrauben stehen um die Humanoiden. Auf einem Pressefoto dribbelt beim RoboCup ein Roboter mit blauem Leibchen und der Nummer 3 über grünen Kunstrasen, Kinder und Erwachsene lehnen an der Bande. Auf einem anderen schöpft ein weißer Humanoid Popcorn aus einer Maschine, davor drei Reihen erhobener Handys. Ein drittes zeigt einen Roboter, auf dessen Brust T800 steht, beim Boxen gegen Gäste in einem kleinen Ring. Im Hintergrund wirbt eine Wand für ein KI-Exoskelett in Taschengröße. Der RoboCup lief an allen fünf Tagen in Halle 15. Vorgeführt werden also ein Dribbling, ein Schlag und ein Becher Popcorn, lauter Kunststücke, und keines davon ist Hausarbeit.
Die Geräte, die tatsächlich etwas erledigen, stehen unauffälliger herum. Bei Dreame ist ein Wohnzimmer aufgebaut, mit Sofa und Waschturm. Ein Humanoid in schwarzgrauer Schale steht im Raum, daneben zwei Saugroboter mit ausfahrbarem Arm und Wäschekörbe als Requisite. Bewegt hat sich der Saugroboter, der Humanoid stand. Die Rollen sind damit klarer verteilt, als der Aufbau es will. Die Arbeit macht die Maschine, die wie ein Gerät aussieht, die menschenähnliche steht Modell.
Verkauft wird der Haushaltsroboter als Haustier, als Gesellschaft. Der ollobot sitzt allein auf einem weißen Sockel, zwei Kordeln davor, dahinter eine holografisch schimmernde Wand mit Sammelkarten und dem Satz NEXT GENERATION OF CYBER PET. Bei SwitchBot sitzen Plüschroboter namens KATA Friends zwischen Handtaschen auf Podesten, und ein Schild verspricht exklusive Geschenke für mindestens drei gepostete Fotos oder ein Video. Die Werbung sollen also die Besucher erledigen. Eine Abteilung bei Dreame heißt Smart Pet Appliances.
Bei Tuya liegen Entwicklerplatinen aus, dazu ein kleiner roter Roboterarm, und das Schild nennt das Ganze Flagship Multi-Modal Interaction Platform. Über einem Gang zählt bei Nanoleaf eine Anzeige die gerade laufenden Automationen, es sind über eine Million. Ein anderer Aussteller wirbt mit einem AI Workflow Controller. An solchen Ständen hängen keine Kordeln, dabei geht es hier um die Verschiebung, auf die es eigentlich ankommt. Wer die Plattform stellt, entscheidet später darüber, was die Geräte dürfen.
Bosch stellt eine Spülmaschine aus Glas auf einen Sockel und lässt sie laufen. Das Wasser schlägt gegen die Scheibe, man sieht die Körbe. Siemens zeigt einen aufgeschnittenen Waschtrockner, Trommel und Schläuche liegen frei, auf der Blende steht: Do not touch. Die Roboter dagegen stecken in geschlossenen Schalen, schwarz oder weiß, und man sieht ihnen nichts an. Hineinschauen kann man auf dieser Messe ausgerechnet in die vertrauten Geräte, die neuen bleiben zu.
Um halb sechs lag das Testgelände für die Mobilität draußen leer, Absperrgitter mit IFA-Bannern, dahinter die Backsteinhalle. Über der Eingangshalle hängt eine Bahn von Miele: The end of housework is in sight. Der Satz ist ungefähr so alt wie die Messe. Nach diesem Tag kann man sagen, dass das Ende bis zum Saugroboter mit Arm gekommen ist. Der Humanoid daneben wartet noch auf seinen Einsatz.
Die IFA 2026 fand vom 4. bis 8. September in der Messe Berlin statt.
Aufnahmen: eigene sowie IFA Management GmbH und Dominik Tryba, Introduce Productions, für IFA Berlin.
Bewegtbild
Impressionen











