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Guillermo Lorca. Zwei stille Säle neben Banksy
von Florian Jäger

Der gotische Innenhof des Palau dels Cervelló an der Carrer de Montcada, heute Sitz des Moco Museum Barcelona. Foto: Josep Renalias, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Kinder zwischen Riesenkatzen und Blumen, auf dunklem Grund, in Lasuren gemalt wie von einem alten Meister. Ob die Tiere schützen oder bedrohen, hängt davon ab, wie lange man hinsieht. Guillermo Lorcas „Esplendor de la Noche“ („Glanz der Nacht“) war im Moco Museum Barcelona interessanter als die berühmten Namen der Sammlung und ging zwischen ihnen leicht unter.
Das Moco ist ein privates Museum für moderne und zeitgenössische Kunst im Palau dels Cervelló an der Carrer de Montcada im Born, ein paar Hausnummern neben dem Museu Picasso. In dem Palast aus dem 16. Jahrhundert wohnte bis ins 18. die Adelsfamilie Cervelló. Die Sammlung führt Banksy, Warhol, Basquiat, Haring, Kusama, KAWS und Murakami, dazu einen eigenen Bereich für digitale und immersive Arbeiten. Das Haus verkauft sich über Zugänglichkeit und erreicht nach eigenen Angaben viele Menschen, die zum ersten Mal in einem Museum sind.
Lorcas Ausstellung hing dort schon seit Jahren, sechs großformatige Ölbilder in zwei Sälen, die erste Einzelausstellung des chilenischen Malers in Europa, kuratiert von Simon de Pury. Lorca, 1984 in Santiago geboren, ging 2006 nach Norwegen und arbeitete bei Odd Nerdrum. Das sieht man an der altmeisterlichen Technik mit ihren dunklen Gründen und Lasuren. Die Motive passen nicht dazu. Die Malweise verspricht Ruhe, die Riesenkatzen halten sich nicht daran, und aus diesem Widerspruch beziehen die Bilder ihre Spannung.
Zwei der Werke lassen sich über eine App um eine Augmented-Reality-Ebene erweitern. Die Verschiebung, auf die es ankommt, schaffen die Bilder aber auch ohne Gerät, wenn man ihnen Zeit lässt.
Zwischen den bekannten Namen hängen Lorcas Bilder ziemlich still da, und still ist in diesem Haus ein Nachteil. Wer wegen Banksy kommt, läuft an den zwei Sälen vorbei und damit an den Bildern, die hier Geduld am meisten belohnen.
Guillermo Lorca: „Esplendor de la Noche“, Moco Museum Barcelona, Carrer de Montcada.